Warum Filme in 3D niemals funktionieren werden, oder: »Why movies in 3D are bad for your brain«

Filme in 3D. In Hol­ly­wood inzwi­schen ja das Non­plus­ul­tra. Kaum ein Film, der inzwi­schen nicht damit wirbt. Für die Film­in­dus­trie gilt 3D als so etwas wie der hei­lige Gral. Oft wer­den des­halb Filme, die nicht im 3D-Verfahren gedreht wur­den, noch eben mal schnell in 3D kon­ver­tiert, und das meist mehr schlecht als recht (Clash of the Titans!).  3D ist zum Selbst­zweck gewor­den. Story und Plot? Egal, Haupt­sa­che, 3D. Der Hype um 3D wurde mir bei der Ver­öf­fent­li­chung von Harry Pot­ter VII (Teil 1) deut­lich, als man­che Kinos Anzei­gen schal­te­ten, um das Publi­kum »vor­zu­war­nen«, dass der Film _wirklich_ _nirgends_ in 3D zu sehen sei. Inzwi­schen muss man mit der Lupe suchen, um ein Kino zu fin­den, das (Blockbuster-)Filme auch im guten alten 2D anbie­tet. Die Kinos haben in ihre 3D-Ausstattung inves­tiert, also wird man genö­tigt, auf Teu­fel komm raus einen Film in 3D zu sehen, wenn man nicht auf den DVD-Release/Blue-Ray-Release war­ten will. Es ist gro­tesk, aber 2D scheint zum Luxus zu werden.

Dabei sind 3D-Filme wirk­lich nichts Neues. Die Tech­nik ist uralt. Schon in den 1920er Jah­ren wurde damit expe­ri­men­tiert. Und  in den 1950er Jah­ren star­tete Hol­ly­wood den ers­ten gro­ßen Ver­such, damit mehr Zuschauer ins Kino zu locken.

Dabei sollte man jedem 3D-Film einen »Bei­pack­zet­tel« bei­le­gen, denn die Tech­nik hat erheb­li­che Nebenwirkungen:

  • Man muss eine klo­bige Brille auf­set­zen. Ist man Bril­len­trä­ger sitzt man also für zwei Stun­den mit zwei Bril­len auf der Nase vor der Kino­lein­wand. Grotesk.
  • Das Bild ist,  wohl tech­nisch bedingt, um eini­ges dunk­ler und oft auch ver­schwom­me­ner als ein nor­ma­les 2D-Bild
  • Men­schen mit ein­ge­schränk­ter 3D-Sicht haben kei­ner­lei Mehr­wert von 3D.
  • Viele Zuschauer kla­gen über Kopf­weh. Das Pro­blem ist seit län­ge­rem bekannt, angeb­lich wird daran gear­bei­tet. Aber bis­her ist keine Lösung in Sicht.

Es tut gut zu wis­sen, dass man mit sei­ner Mei­nung nicht alleine ist. Roger Ebert (der Mar­cel Reich-Ranicki der ame­ri­ka­ni­schen Film­kri­ti­ker) hat auf sei­nem Blog einen Text des Sound-Designers Wal­ter Murch ver­öf­fent­licht, der mit dem Mythos 3D gehö­rig auf­räumt. Ein Film arbei­tet mit schnel­len Schnit­ten, Ein­stel­lun­gen, Unschär­fen. Unsere Augen kön­nen nicht mehr rich­tig fokus­sie­ren, da vom Film ein bestimm­ter Fokus auf­ge­zwun­gen wird (die ein­zige Lösung wäre hier­bei, alles scharf zu stel­len, damit wir/unsere Augen frei ent­schei­den kön­nen, was fokus­siert wird).

Kurz gesagt: 3D ist nichts für unsere Augen und unser Gehirn, da unser Gehirn mit den 3D-Bildern nicht mit­hal­ten kann.

Ebert hat damit in den USA eine Dis­kus­sion ange­sto­ßen, die hof­fent­lich zu einem, sagen wir mal, »behut­sa­me­ren« Ein­satz von 3D füh­ren wird..


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